Kostenlose Pflegekurse für Angehörige und Ehrenamtliche

Für viele Menschen ist es ein Herzenswunsch, im Alter und bei Pflegebedürftigkeit zu Hause wohnen zu bleiben. Angehörige oder Freunde sind oft bemüht, ihren Lieben genau diesen Wunsch zu erfüllen. Sie wollen die Pflege zu Hause übernehmen. Aber wie genau geht das? Und worauf muss man eigentlich achten? Diese Fragen werden im kostenlosen Pflegekurs geklärt – auf Wunsch sogar in den eigenen vier Wänden.

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Hände von Senioren
© sabinevanerp/pixabay.com

Im Sozialgesetzbuch ist der Anspruch auf kostenlose Pflegekurse geregelt. Einen solchen Kurs können nicht nur Personen wahrnehmen, die bereits einen Angehörigen oder eine andere Person ehrenamtlich pflegen. Das reine Interesse an der Pflegetätigkeit ist ausreichend für die Teilnahme. Wer also mit dem Gedanken spielt, einen Angehörigen oder einen Bekannten zu Hause zu pflegen, kann sich im kostenlosen Pflegekurs informieren und schulen.

Übrigens: Wer bereits mit der Betreuung eines Pflegebedürftigen angefangen hat und trotzdem sein Wissen auffrischen möchte, kann die sogenannte Verhinderungspflege nutzen, um den Zeitraum seiner Abwesenheit zu überbrücken.

Was lernt man in Pflegekursen?

In Pflegekursen werden sowohl praktische Fähigkeiten als auch theoretisches Wissen vermittelt. In der Regel sind folgende vier Bereiche immer abgedeckt:

1. Praktische Pflege

Im Fokus der Pflegekurse steht die Vermittlung von bestimmten Handgriffen, die zur Pflege benötigt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Anreichen von Essen und Trinken (z.B. Trinknahrung, Sondennahrung, intravenöse Ernährung)
  • Mobilisierung und Lagerung (z.B. Lagerungstechniken, Sturzprophylaxe)
  • Handgriffe bei der Grundpflege (Körperpflege)
  • Handgriffe beim An- und Auskleiden
  • Medikamentengabe

2. Hygiene

Neben Maßnahmen in der Grundpflege wird auch weiteres Hygienewissen vermittelt, wie zum Beispiel im Bereich der Intimpflege. Aber auch Hygienemaßnahmen im Haushalt, die besonders wichtig für die angemessene häusliche Pflege sind, gelten als wichtiger Bestandteil eines Pflegekurses.

3. Recht und Finanzen

Pflegekurse sind auch dazu da, um Angehörige und andere Ehrenamtliche über rechtliche und finanzielle Möglichkeiten aufzuklären. Immerhin müssen sie sich oft auch mit der Pflegeversicherung auseinandersetzen, um Leistungen zu beantragen. Im Pflegekurs erhalten Pflegende deshalb Informationen zum Antrag auf Pflegegrad und zu den Leistungen, die ihnen und dem Pflegebedürftigen zustehen.

4. Selbstpflege

Ein wichtiger Aspekt, der von Pflegenden oft vernachlässigt wird, ist die Selbstpflege. Diese ist aber ebenso wichtig wie der angemessene Umgang mit dem Pflegebedürftigen. Denn damit Angehörige und Ehrenamtliche sich nicht körperlich und mental überlasten, müssen sie während der täglichen Pflegearbeit auch auf sich selbst achten. Deshalb werden im Pflegekurs gezielt Kenntnisse über die Rückengesundheit von Pflegenden vermittelt. Darüber hinaus sollen Betroffene lernen, sich selbst zu beobachten. Sie sollen realistisch einschätzen können, wann sie überfordert sind und mehr Unterstützung benötigen.

Spezialkurse für besondere Umstände

In manchen Fällen sind die oben genannten Grundkenntnisse nicht ausreichend. Wenn die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen besonders hoch oder speziell sind, können Pflegende auch Spezialkurse in Anspruch nehmen:

  • Pflege von Personen mit Demenz
  • Pflege von Personen mit Multipler Sklerose
  • Pflege von Personen mit Parkinson
  • Pflege von Schlaganfallpatienten
  • Pflege von pflegebedürftigen Kindern

Pflegekurse auch zu Hause möglich

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Anspruch auf einen kostenlosen Pflegekurs zu nutzen. Einerseits können Betroffene an öffentlichen Pflegekursen teilnehmen, die auf mehrere Teilnehmer ausgerichtet sind und etwa von der Pflegekasse, Sozialstationen oder Volkshochschulen veranstaltet werden. Teilnehmer können nicht nur von den Kursinhalten profitieren, sondern auch von den Erfahrungen anderer. Pflegende Angehörige und andere ehrenamtliche Pflegepersonen können sich hier untereinander austauschen. Eine andere Möglichkeit ist die individuelle Schulung in der Wohnung des Pflegebedürftigen. „Auf Wunsch der Pflegeperson und der pflegebedürftigen Person findet die Schulung auch in der häuslichen Umgebung des Pflegebedürftigen statt.“ (§ 45 SGB XI) Sogar die Teilnahme an Onlinekursen ist mittlerweile von zu Hause aus möglich.


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