Menschen mit Demenz richtig beschäftigen: Tipps und Anregungen

Die selbstständige Aktivität nimmt bei einer Demenzerkrankung ab. Die Vergesslichkeit steigt, ebenso das apathische Verhalten. Trotzdem können Menschen mit Demenz durch die richtige Aktivierung noch Erfolge erzielen. Eine sinnvolle Beschäftigung hilft den Betroffenen sich nützlich zu fühlen und steigert ihre Lebensqualität.

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Senioren mit Demenz spielen ein Puzzle im Pflegeheim
© Robert Kneschke/www.shutterstock.com

Eine Demenzerkrankung beeinträchtigt das Gedächtnis ebenso wie die Unabhängigkeit. Betroffene bauen ungewollt Fähigkeiten ab und das Verhalten unterliegt ebenfalls einer Veränderung. Der richtige Umgang und eine passende Beschäftigung ist für Erkrankte daher besonders wichtig. Welche Aktivitäten eignen sich, um die Folgen einer Demenzerkrankung abzuschwächen – geht das überhaupt?

Beschäftigung und Aktivierung im Alltag mit Demenz

Gehirnjogging ist seit Jahren ein beliebtes Mittel für die geistige Fitness. Viele ältere Personen nutzen diese Option des mentalen Trainings. Ob Kreuzworträtsel oder Puzzlespiele – wer an Gedächtnisproblemen leidet, trainiert im Idealfall weiterhin das Gehirn. Allerdings sind Menschen mit Demenz meistens nicht mehr in der Lage sich selbst zu Beschäftigen und sich dadurch geistig fit zu halten. Durch die Aktivierung von Demenzkranken soll sowohl das Gehirn als auch der Körper trainiert werden. Dafür braucht es allerdings die richtige Beschäftigung und die aktive Mitarbeit einer Bezugsperson.

Demenzkranke beschäftigen: Vorteile

Die Vorteile einer aktiven Beschäftigung hängen zum einen von der Persönlichkeit des Betroffenen ab, zum anderen wie weit fortgeschritten die Erkrankung bereits ist. Mögliche Vorteile können deshalb wie folgt aussehen:

  • mehr Selbstbewusstsein für Menschen mit Demenz,
  • mehr Struktur im Alltag,
  • mehr Freude im alltäglichen Leben,
  • Fördern vom aktiven Erinnern,
  • Training vertrauter und schon erlernter Fähigkeiten,
  • weniger Einsamkeit.

Demenzkranke aktivieren: Sinnvoll und individuell

Die Beschäftigung von Menschen mit Demenz gestaltet sich im Optimalfall abwechslungsreich, persönlich angepasst und vor allem sinnhaltig. Denn es nützt wenig, ein starres Programm abzuspulen, ohne auf die Bedürfnisse Betroffener einzugehen. Was bedeutet das im Einzelnen?

Ohne Spaß oder eingebundene Kreativität bringen die Aktivitäten kaum etwas. Gehen Sie daher auf die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der dementen Person ein. Es bietet sich an, auf frühere Hobbys und Fähigkeiten zurückzugreifen. Da Demenz die Persönlichkeit der Betroffenen ändern kann, kann es durchaus sein, dass sich auch die Vorlieben ändern. Was vor ein paar Wochen Spaß gemacht hat, ist plötzlich unbeliebt. Solche Veränderungen sind normal, gehen Sie verständnisvoll damit um und bleiben Sie in der Wahl der Beschäftigung flexibel.

Außerdem sollten Sie beachten, dass es auch von Tag zu Tag Unterschiede geben wird. Der Gemütszustand eines Demenzkranken kann sich täglich ändern. An schlechteren Tagen gelingen Übungen tendenziell etwas schwerer, denn die Aufnahmefähigkeit sinkt dann deutlich rascher. Wer aber dranbleibt und kontinuierlich übt, kann diesen Umstand häufig verbessern.

Tipps zur Aktivierung

Bei einer an Demenz leidenden Person variiert die Konzentrationsfähigkeit. Deshalb ist es notwendig, die Betroffenen weder zu unterfordern noch zu überfordern. Unterforderung zieht Langeweile nach sich – der Spaß ginge verloren. Dagegen resultiert Stress aus einer Überforderung. Das lässt Erkrankte schneller ermüden. Der Antrieb für die jeweilige Übung schwindet ebenfalls. Demzufolge führt erhöhter Druck mit hohen Anforderungen zu demotivierten Leidtragenden.

Erfolgserlebnisse sind essenziell. Aus diesem Grund ist es nicht empfehlenswert, die Tätigkeit von Betroffenen zu kritisieren oder zu tadeln. Das sorgt lediglich für frustrierte Erkrankte – und das ist kontraproduktiv. Loben Sie jedes Ergebnis, auch wenn Fehler gemacht wurden.

Neben dem geistigen Training ist die physische Fitness ebenfalls relevant. Denn im Alter steigt für gewöhnlich die Sturzgefahr. Da Demenzkranke oftmals unruhig sind und regelmäßig "weglaufen", lohnt sich die körperliche Auslastung umso mehr. Zusätzlich ermöglicht es eine Schulung der Sinne. Das aktive Nutzen des persönlichen Bewegungsdrangs fördert gleichfalls die geistigen Fähigkeiten. Denn die physische Leistung vermag das Gehirn anzuregen, was wiederum der Demenzerkrankung entgegenwirkt.

Ideen und Anregungen

Für Menschen mit Demenz ist eine Beschäftigung nützlich, die an bereits vorhandene Fähigkeiten anknüpft. Das Erinnern ist essenziell bei einer Demenzerkrankung. Gemeinschaftliches Kochen oder das Blättern im klassischen Fotoalbum lohnen sich daher besonders. Tätigkeiten wie malen, puzzeln, Ratespiele sowie das Werfen und Fangen von Ballons oder weichen Bällen sind ideal.

Auch vertraute Handgriffe im Haushalt können dazu beitragen, die Motorik und das Erinnerungsvermögen gleichermaßen zu schulen. Das beinhaltet beispielsweise einfache Küchenarbeiten (wie z.B. das Schälen von Gemüse) und das Falten von Textilien wie T-Shirts oder Tücher. Klassische Zuordnungsspiele wie zum Beispiel "Memory" gibt es auch als Seniorenversionen. Sie machen Spaß und trainieren den Geist. Spaziergänge und Sitzgymnastik können die Aktivitäten durch leichte Bewegung abrunden.

Fazit

Wer an Demenz erkrankt ist, benötigt verstärkt Unterstützung im Alltag. Eine gezielte Aktivierung von Körper und Geist kann sich als hilfreich erweisen. Dabei erinnern sich Betroffene an erlernte Fähigkeiten. Ob alte Fotos oder vertraute Handgriffe: Sie stärken die kognitiven Sinne und trainieren effektiv das Gehirn und den Körper. Auf diese Weise öffnet sich die Chance, den Verlauf der Demenz durch Beschäftigung zu verlangsamen.


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