Steuern sparen bei Pflegebedürftigkeit

Entlastungsbetrag, Pflegepauschbetrag, Behindertenpauschbetrag, haushaltsnahe Dienstleistungen und Krankheitskosten - hinter all diesen Begriffen verbergen sich Möglichkeiten, wie Pflegebedürftige bares Geld sparen können. Wer sie kennt und obendrein gewisse Fristen beachtet, kann einiges an Steuern sparen und finanzielle Zuschüsse sichern - und das sogar rückwirkend.

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Steuererklärung
© falco/pixabay.com

Wer hohe Ausgaben rund um Gesundheit und Pflege zu verbuchen hat, ist einer großen finanziellen Belastung ausgesetzt. Um wenigstens teilweise einen Ausgleich zu schaffen, können Betroffene gewisse Leistungen und Steuervorteile nutzen.

Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag ist zwar kein Steuervorteil, unterliegt aber ähnlichen Fristen und wird deshalb in diesem Ratgeber berücksichtigt. Es handelt sich um eine Leistung der Pflegekasse, die zur Entlastung von pflegenden Angehörigen oder anderen privaten Pflegepersonen dienen soll. Er beträgt 125 Euro im Monat und kann für verschiedene Dienstleistungen genutzt werden, wie zum Beispiel Tages- oder Nachtpflege, zugelassene Pflegedienste, Kurzzeitpflege oder anerkannte Angebote zur Unterstützung der Selbstständigkeit im Alltag. Anspruch auf den Entlastungsbetrag haben alle Personen, die einem Pflegegrad zugeteilt sind.

Wer den Entlastungsbeitrag nicht genutzt hat, kann 40 Prozent von der ungenutzten Pflegeleistung in eine Entlastungsleistung umwandeln.

Um den Entlastungsbetrag zu erhalten, müssen Sie keinen Antrag stellen, sondern einfach die entsprechenden Belege bei der Pflegekasse einreichen. Das Geld, das Sie ausgegeben haben, wird Ihnen dann erstattet. Alternativ können Sie dem Dienstleister (z.B. Pflegedienst) eine Abtretungserklärung ausstellen, sodass dieser direkt mit der Pflegekasse abrechnet.

Lesen Sie auch: Pflegekosten: Vorsicht bei der Abtretungserklärung

Sie können den Entlastungsbetrag auch nachträglich auszahlen lassen. Haben Sie Ihren Anspruch 2020 nicht genutzt, können Sie den vollen Betrag von 1.500 Euro im Dezember auf einen Schlag aufbrauchen. Es ist sogar möglich, offene Beträge mit ins neue Jahr zu nehmen. Sie müssen dann bis zum 31. Dezember 2021 in Anspruch genommen werden. Achtung: dies ist eine aufgrund von Corona bedingte Sonderregelung. Wer für 2021 seinen Anspruch nicht genutzt hat, sollte diesen bis zum 30. Juni 2022 nutzen.

Belege sammeln

Es ist ein wichtiger Schritt, der oft vernachlässigt wird. Zum Ende des Jahres sollten Sie unbedingt alle wichtigen Belege zusammensuchen und sortieren. Denn je größer der zeitliche Abstand ist, desto schwerer fällt es, einen Überblick zu behalten. Belege und Rechnungen sind nicht nur für den Entlastungsbetrag relevant, sondern auch für die Steuererklärung. Wer verpflichtet ist, sie abzugeben, hat dafür bis zum 31. Juli des Folgejahres Zeit. Wenn Sie die Steuererklärung freiwillig einreichen, können Sie sich sogar vier Jahre Zeit lassen. Das bedeutet, dass Sie bis Ende 2022 noch Steuern aus 2018 zurückbekommen können. Das lohnt sich besonders, wenn Sie hohe Ausgaben im Bereich der sogenannten außergewöhnlichen Belastungen haben (siehe unten).

Pflegepauschbetrag

Den Pflegepauschbetrag können Privatpersonen einsetzen, die einen Menschen pflegen. Er kann bei der Steuererklärung beansprucht werden. Dadurch verringert sich die Steuerlast. Voraussetzung ist, dass die Pflege in häuslichem Umfeld durch eine private Pflegeperson erfolgt (z.B. Angehörige oder Nachbarn). Außerdem muss ein gewisser Grad der Pflegebedürftigkeit vorherrschen. Wer 2022 die Steuererklärung für 2021 machen möchte, darf sich über einen höheren Pflege-Pauschbetrag von 1.800 Euro freuen. Neu: jetzt wurden sogar für die Pflegegrad Stufen 2 und 3 die Pflege-Pauschbeträge eingeführt. Im Folgenden werden alle Erhöhungen für das Jahr 2022 aufgeführt:

  • Pflegegrad 2: 600 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.100 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.800 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.800 Euro

Übrigens: Wer zwei Menschen gleichzeitig pflegt, erhält den doppelten Betrag. Wenn sich hingegen zwei Personen um einen Pflegebedürftigen kümmern, muss der Pflegepauschbetrag aufgeteilt werden.

Behindertenpauschbetrag

Für Kosten, die wegen einer Behinderung regelmäßig anfallen, gilt der sogenannte Behindertenpauschbetrag. Dazu gehören zum Beispiel Kosten für Medikamente, erhöhten Wäschebedarf oder Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen. Vom Behindertenpauschbetrag können Menschen profitieren, deren Grad der Behinderung (GdB) mindestens bei 20 liegt. Je nach GdB variiert die Höhe des Behindertenpauschbetrags. Er beträgt maximal 2.840 Euro im Jahr bzw. 7.400 Euro für hilflose, blinde oder taubblinde Menschen.

Für das Jahr 2021 sind folgende Beträge vorgesehen:

  • Behinderungsgrad 20: 384 Euro
  • Behinderungsgrad 30: 620 Euro
  • Behinderungsgrad 40: 860 Euro
  • Behinderungsgrad 50: 1.140 Euro
  • Behinderungsgrad 60: 1.440 Euro
  • Behinderungsgrad 70: 1.780 Euro
  • Behinderungsgrad 80: 2.120 Euro
  • Behinderungsgrad 90: 2.460 Euro
  • Behinderungsgrad 100: 2.840 Euro
  • hilflose, blinde oder taubblinde Menschen (laut Eintrag im Schwerbehindertenausweis): 7.400 Euro

Haushalts- und Krankheitskosten

Sind Ihre Ausgaben höher als die oben genannten Pauschbeträge, können Sie sie einzeln als außergewöhnliche Belastungen bei der Steuererklärung angeben. Zu Haushaltskosten gehören Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen. Kosten, die durch Renovierungs- oder Reparaturarbeiten im Haushalt entstehen, können mit bis zu 6.000 Euro angegeben werden. 20 Prozent davon muss das Finanzamt anerkennen, also maximal 1.200 Euro. Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen können sogar bis zu 20.000 Euro in der Steuererklärung angegeben werden, wovon das Finanzamt ein Fünftel, also maximal 4.000 Euro, anerkennt. Zu haushaltsnahen Dienstleistungen gehören zum Beispiel ambulante Pflegedienste oder Haushaltshilfen.

Übrigens: Eine Haushaltshilfe, die sich auch um eine pflegebedürftige Person kümmert, kann bei der Minijobzentrale angemeldet werden. Sie erhält dann einen Lohn von 450 Euro im Monat und Sie können Lohnkosten bis 2.550 Euro bei der Steuererklärung geltend machen. 20 Prozent davon werden anerkannt, also maximal 510 Euro. Bei der Haushaltshilfe kann es sich auch um einen Verwandten handeln, der nicht im gleichen Haushalt lebt.

Auch Krankheitskosten können von der Steuer abgesetzt werden. Das gilt für alle Ausgaben, die über die zumutbare Belastungsgrenze hinaus gehen. Diese fällt je nach Einkommen und familiärer Situation unterschiedlich hoch aus.

Unser Tipp: Planen Sie Ihre Ausgaben in diesen Bereichen so, dass Sie die Maximalbeträge ideal ausnutzen. Wer zum Beispiel Handwerkerleistungen (max. 4.000 €), haushaltsnahe Dienstleistungen (max. 1.200 €) und die Haushaltshilfe auf Minijob-Basis (max. 510 €) voll ausschöpft, kann insgesamt 5.710 Euro Steuern sparen. Wenn hohe Kosten anfallen und die Beträge noch nicht erreicht sind, kann es sich lohnen, die Ausgaben vorzuziehen. Dann wurde die maximale Steuerersparnis in diesem Jahr erreicht und im neuen Jahr stehen wieder die vollen Beträge zur Verfügung. Achten Sie bei Krankheitskosten darauf, dass Sie nicht einen Teil im Dezember und den anderen Teil im Januar begleichen. Damit verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die zumutbare Belastungsgrenze erreichen und von zusätzlichen Ersparnissen profitieren können.

Hausnotruf von der Steuer absetzen

Personen, die einen Pflegegrad haben, müssen sich um die Finanzierung eines Hausnotrufgeräts in der Regel keine Sorgen machen. Die Pflegekasse bezuschusst die Anschaffung und übernimmt die monatlichen Gebühren. Doch viele Senioren sind noch keinem Pflegegrad zugeteilt und fühlen sich zu Hause trotzdem nicht ganz sicher. Ein Notruf könnte helfen. Aber gibt es dann auch finanzielle Unterstützung?

Bisher gingen Senioren ohne Pflegegrad meist leer aus, wenn es um finanzielle Unterstützung für ein Hausnotrufsystem ging. Das könnte sich jetzt ändern. Denn aktuell prüft der Bundesfinanzhof ein Urteil, das zugunsten vieler Senioren ausfallen könnte.

Der Bund der Steuerzahler hatte eine Musterklage unterstützt, die bewirken sollte, dass Senioren die Kosten für einen Hausnotruf von der Steuer absetzen dürfen. Das Finanzgericht Baden-Württemberg entschied, dass ein Steuerabzug in Höhe von 20 Prozent der Kosten anerkannt werden müsse. Senioren, die alleine oder im Pflegeheim leben, sollen demnach den Hausnotruf als haushaltsnahe Dienstleistung bei der Steuererklärung angeben können.

Aber Achtung: Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Denn das Finanzamt legte Revision ein. Der Bundesfinanzhof muss das Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg noch prüfen (Aktenzeichen VI R 14/21). Trotzdem können sich Betroffene schon auf das Urteil beziehen und sollten in der nächsten Steuererklärung den Hausnotruf als haushaltsnahe Dienstleistung angeben. Sollte da Finanzamt die Kosten nicht anerkennen, berufen Sie sich auf das Urteil und legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein.


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