Entlastungsbetrag unbedingt rechtzeitig nutzen

Viele Pflegebedürftige wissen es nicht, aber sie haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat. Wenn dieser nicht monatlich genutzt wird, kann er sogar über einen längeren Zeitraum angespart und dann auf einmal ausgezahlt werden. Aber Achtung: Es gelten Fristen, die Sie unbedingt einhalten müssen.

28.05.2019 14.10.2021
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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  • 28.05.2019
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Bargeld in Portemonnaie
© ptra/pixabay.com

Einen Anspruch auf den Entlastungsbetrag haben alle Pflegebedürftigen mit Pflegegrad. Für Personen, die dem Pflegegrad 1 zugeteilt sind, ist der Entlastungsbetrag besonders wichtig, weil es oft der einzige Zuschuss ist, den sie für einen Pflegedienst oder andere Leistungen zur Grundpflege nutzen können.

Lesen Sie auch: Was zahlt die Pflegekasse bei welchem Pflegegrad?

Was genau ist der Entlastungsbetrag?

Beim sogenannten Entlastungsbetrag handelt es sich um eine Leistung der Pflegekasse. Er beträgt 125 Euro pro Monat und muss dazu genutzt werden, die Selbstständigkeit einer pflegebedürftigen Person zu fördern oder um pflegende Angehörige oder vergleichbare Pflegepersonen zu entlasten. Er kann zum Beispiel für zugelassene Pflegedienste genutzt werden, aber auch für die Tages- oder Nachtpflege, die Kurzzeitpflege oder anerkannte Angebote zur Unterstützung der Selbstständigkeit im Alltag (z.B. Einkaufen, Putzen, Behördengänge, Arztbesuche, Freizeitgestaltung usw.).

Neu beim Entlastungbetrag: Ab 2022 für Nachbarschaftshilfe einsetzbar

Eine anerkannte Unterstützung im Alltag zu finden, die über den Entlastungsbetrag finanziert werden kann, ist nicht immer leicht. Pflegebedürftige müssen zum Beispiel bei einer Haushaltshilfe genau darauf achten, dass diese anerkannt ist und mit der Pflegekasse abrechnen darf. Viele Menschen, die eigentliche Hilfe brauchen, verzichten deshalb darauf. Und auch wer sich mit der mühsamen Suche auseinandersetzt, hat vielleicht schlechte Karten: Denn die Anbieter sind oft schon ausgelastet und können keine neuen Aufträge annehmen. Pflegebedürftige Menschen in Niedersachsen sollen jetzt die Möglichkeit bekommen, auch Nachbarschaftshilfen und gewerblich tätige Einzelpersonen über den Entlastungsbetrag zu bezahlen. Auch in anderen Teilen Deutschlands gibt es das Modell.

Niedersachsen erkennt Nachbarschaftshilfe an

Die niedersächsische Landesregierung teilte Anfang Oktober mit, dass die Möglichkeiten für Unterstützung im Alltag erweitert werden sollen. Auch bisher ehrenamtliche Nachbarschaftshelfer und gewerblich tätige Einzelpersonen könnten dann anerkannt werden. „Im Alltag der häuslichen Pflege gibt es viel mehr zu tun als die reine Pflegeleistung selbst“, wird So­zialministerin Daniela Behrens (SPD) in der Mitteilung zitiert. „Pflegebedürftige müssen betreut und beauf­sich­tigt, ihre Tage gestaltet werden.“ Außerdem sei immer wieder auch Hilfe im Haushalt nötig.

Mit der neuen Regelung geht die Landesregierung von bis zu 5.000 zusätzlichen Kräften aus, die Hilfe im Alltag gegen Bezahlung über den Entlastungsbetrag anbieten können. Die neue Verordnung soll Anfang 2022 in Kraft treten. Noch ist sie aber nicht in trockenen Tüchern.

Auch in anderen Bundesländern möglich

Auch andere Bundesländer haben zum Teil die Nachbarschaftshilfe anerkannt und lassen sie über den Entlastungsbetrag abrechnen. Dazu gehören Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein. Die Anerkennungsvoraussetzungen für die Nachbarschaftshilfe können von Bundesland zu Bundesland allerdings abweichen. Sie finden weitere Informationen unter folgenden Links:

Den Entlastungsbetrag ansparen – aber auf Fristen achten

Zwar ist der Entlastungsbetrag auf 125 Euro pro Monat festgesetzt. Allerdings ist es möglich, die Leistungen anzusparen und sie dann auf einen Schlag zu nutzen. Wer zum Beispiel noch nichts von seinem Anspruch weiß und erst zum Jahresende davon erfährt, kann die volle Summe im Dezember nutzen. Für ein ganzes Jahr sind das 1.500 Euro (12 x 125).

Nicht genutzte Ansprüche können sogar noch ins nächste Kalenderjahr mitgenommen werden. Allerdings nur begrenzt. Betroffene können den Entlastungsbetrag also nicht über mehrere Jahre ansparen. Spätestens bis Mitte des nächsten Jahres müssen die nicht genutzten Leistungen aus dem Vorjahr in Anspruch genommen werden, ansonsten verfallen sie.

Wie wird abgerechnet?

Den Entlastungsbetrag gibt es nicht automatisch. Um ihn zu erhalten, müssen Pflegebedürftige sozusagen in Vorkasse gehen. Sie müssen zum Beispiel den Pflegedienst zunächst selbst bezahlen und entsprechende Belege aufbewahren. Das ist besonders wichtig, denn für den Entlastungsbetrag stellen Betroffene keinen Antrag bei der Pflegekasse. Sie reichen lediglich ihre Belege ein. Das Geld, das sie für anerkannte Leistungen ausgegeben haben, können sie sich auf diese Weise erstatten lassen. Manchmal rechnet auch der Dienstleister (z.B. Pflegedienst) direkt mit der Pflegekasse ab. Ob diese Möglichkeit besteht, wird am besten direkt beim Dienstleister erfragt.


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