Schlaganfall: Erkennen, Handeln, Vorbeugen

Ein Schlaganfall ereilt Betroffene in der Regel plötzlich und unvermittelt – dabei kündigt sich dieser in einigen Fällen lange vorher an. Leider erkennen nur wenige die manchmal eindeutigen Warnzeichen oder nehmen sie nicht ernst genug, sodass der eigentlich nötige Besuch beim Hausarzt ausbleibt. Dabei gibt es vor und während eines Schlaganfalls zahlreiche Möglichkeiten, die Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

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Arzt hält Gehirn-Modell in beiden Händen
© Teeradej/www.shutterstock.com

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen und die häufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen – Grund genug also, sich ausreichend darüber zu informieren. Viele Menschen tun sich schwer mit der Thematik, dabei ist das richtige Erkennen, Handeln und Vorbeugen tatsächlich gar nicht so kompliziert.

Was ist ein Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall (Apoplex) handelt es sich um eine plötzlich auftretende Unterbrechung der Blutversorgung im Gehirn, die rasch zu einer Schädigung des Gehirngewebes führen kann. Das Gehirn benötigt nahezu durchgehenden Sauerstoff und Nährstoffe aus dem Blut, um richtig zu funktionieren. Wird diese Blutversorgung unterbrochen, können einzelne Areale des Gehirns absterben und somit dauerhaft geschädigt werden. Je nach Schwere und Dauer der Unterbrechung kann diese Schädigung von vorübergehender Beeinträchtigung bis hin zum Tod reichen.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Schlaganfällen: Ischämische Schlaganfälle und Hämorrhagische Schlaganfälle. Ischämische Schlaganfälle werden durch die Blockade eines Blutgefäßes im Gehirn verursacht. Diese Blockade kann etwa durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder durch eine Ablagerung in einem Gefäß (Arteriosklerose) entstehen. Hämorrhagische Schlaganfälle hingegen werden durch eine Blutung im Gehirn verursacht, die durch ein geplatztes Gefäß entsteht.

Es ist wichtig zu beachten, dass jeder Schlaganfall, egal wie ausgeprägt, einen medizinischen Notfall darstellt und eine schnelle Behandlung erforderlich ist. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto besser sind die Chancen auf eine vollständige Genesung. Bemerken Sie Anzeichen bei sich oder jemand anderem, sollten Sie sofort den Notarzt rufen und Hilfe suchen.

Einen Schlaganfall erkennen – gibt es Vorzeichen?

Wie bereits erwähnt, können sich Schlaganfälle weit vor ihrem eigentlichen Auftreten ankündigen. Diese Vorzeichen können Tage bis Wochen im Voraus auftreten und sollten nicht unterschätzt werden. Bekannt sind sie als „transitorische ischämische Attacken / TIA“ oder „Mini-Schlaganfälle“. Diese Symptome können ein Warnsignal für einen bevorstehenden Schlaganfall sein, weswegen bereits hier eine schnelle Aufklärung Leben retten und dauerhafte Schäden verhindern kann.

Einige der Vorzeichen eines Schlaganfalls können sein:

  • Plötzliche Schwäche oder Taubheit auf der Seite eines Körpers, die länger als eine Minute anhält.
  • Kurzzeitige Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache
  • Plötzlicher, kurzzeitiger Sehverlust auf einem Auge oder beidseitige Sehstörungen
  • Schwindel und Koordinationsprobleme
  • Ungewöhnlich starke Kopfschmerzen, die von Übelkeit und / oder Erbrechen begleitet werden

Zwar bedeuten diese Symptome keinesfalls zwangsläufig einen bevorstehenden Schlaganfall, doch ist eine rasche ärztliche Aufklärung in jedem Falle ratsam.

Die Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls können je nach Schwere und Ort der Schädigung im Gehirn variieren. Allerdings gibt es sehr deutliche Anzeichen, die als Symptome eines Schlaganfalls identifiziert werden können. Zu diesen Symptomen gehören:

  • Verwirrtheit, Desorientierung oder plötzliche Veränderungen im Denken oder Verhalten
  • Verwaschene Sprache, schwere Wortfindungsstörungen und Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache
  • Plötzlicher, anhaltender Sehverlust auf einem oder beiden Augen
  • Starke Gleichgewichtsstörungen, Rechts- oder Linksdrall
  • Starker Schwindel
  • Plötzliche Störungen der Koordination
  • Starke, anhaltende Kopfschmerzen mit plötzlichem Erbrechen und starker Übelkeit
  • Schwäche oder vollständige Taubheit einer Körperseite, häufig ist auch das Gesicht betroffen (herunterhängende Mundwinkel)

Auffällig ist, dass die Symptome eines „richtigen“ Schlaganfalls dieselben oder sehr ähnlich sind, wie bei einem „Mini-Schlaganfall“, in der Regel nur sehr viel ausgeprägter. Das macht es allerdings leichter, die Vorzeichen eines Apoplex zu erkennen. Leider lässt sich nicht immer unterscheiden, ob es sich in diesem Falle um eine TIA oder einen vollständigen Schlaganfall handelt, ein Notarzt ist demnach immer zu verständigen.

Wie handle ich richtig bei einem Schlaganfall?

Wenn Sie bei jemandem Anzeichen eines Schlaganfalls bemerken, ist es wichtig, schnell zu handeln und umgehend einen Notarzt zu rufen. Ab jetzt zählt jede Minute, denn eine schnelle Behandlung kann das Leben des Betroffenen retten. Versuchen Sie, so ruhig und gefasst wie möglich zu bleiben, damit Sie bedacht handeln und Hilfe leisten können.

Befolgen Sie dazu folgende Schritte, wenn es zum Ernstfall kommt:

  • Rufen Sie zuallererst den Notarzt oder den Rettungsdienst an und erklären Sie rasch die Symptome und Ihren Verdacht auf einen Schlaganfall. Bleiben Sie dabei so ruhig und koordiniert wie möglich, sodass Sie dem Rettungsdienst alle relevanten Informationen direkt zukommen lassen können.
  • Versuchen Sie, die betroffene Person zu beruhigen und sie zu stabilisieren. Bei Bewusstlosigkeit legen Sie sie in die stabile Seitenlage.
  • Vermeiden Sie es, der betroffenen Person in diesem Moment etwas zu trinken anzubieten, auch bei Durst – Schluckschwierigkeiten könnten zu Verschlucken führen.
  • Notieren Sie, wann die Symptome begonnen haben und ob es anderweitige gesundheitsrelevante Informationen wie Vorerkrankungen und Medikamente gibt.
  • Warten Sie auf die Ankunft des Rettungsdienstes. Bei deren Ankunft gilt: Auch wenn es schwer ist, lassen Sie den Rettungsdienst seine Arbeit machen und übermitteln alle relevanten Informationen.

Eine schnelle Behandlung ist bei einem Schlaganfall von entscheidender Bedeutung. Wird ein Schlaganfall innerhalb von drei Stunden nach Beginn der ersten Symptome erkannt und behandelt, können der Blutfluss im Gehirn in der Regel medikamentös wiederhergestellt und Schäden minimiert werden.

Kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Es gibt tatsächlich viele Möglichkeiten, wie man einem Schlaganfall langfristig vorbeugen kann. Die vorbeugenden Maßnahmen hängen zum größten Teil mit dem aktuellen Lebensstil zusammen. Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, lässt sich also durch ein paar Anpassungen sehr einfach minimieren. Beherzigen Sie folgende Maßnahmen:

  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutdruck: Hoher Blutdruck ist ein wichtiger Risikofaktor bei Schlaganfällen. Je früher dieser erkannt und behandelt wird, desto besser.
  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Schlaganfallrisiko teilweise signifikant.
  • Geben Sie das Rauchen auf: Rauchen erhöht bekanntermaßen das Risiko eines Schlaganfalls und weitere gesundheitlicher Probleme.
  • Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker: Diabetes ist ein Risikofaktor – suchen Sie bei Verdacht Ihren Arzt auf.
  • Ernähren Sie sich gesund: Eine ausgewogene Ernährung, die Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte und mageres Fleisch beinhaltet, reduziert das Risiko von gesundheitlichen Problemen enorm – das gilt auch für Schlaganfälle.
  • Bleiben Sie aktiv: Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und senkt den Stresslevel.
  • Vermeiden Sie Stress: Durchgängiger Stress schädigt Ihr Herz-Kreislaufsystem langfristig. Finden Sie Wege zum Stressabbau, wie Yoga, Entspannungsübungen, autogenes Training oder Meditation.

Ein weiterer Risikofaktor

Aktuell steht ein weiterer vermutlicher Risikofaktor im Raum, nämlich der allseits beliebte Süßstoff Erythrit. Studien deuten nämlich darauf hin, dass der Süßstoff, der bisher als unbedenklich gilt, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, darunter Herzinfarkt und Schlaganfall, erhöhen könnte. Das ist besonders bedenklich, da sich der Süßstoff vornehmlich als Zuckerersatz an Menschen mit Diabetes oder Übergewicht richtet, deren Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen allein dadurch bereits erhöht ist. Ob es sich bei Erythrit denn nun tatsächlich um einen Risikofaktor handelt, werden Studien belegen oder entkräften müssen.

Jede Minute zählt

Ganz gleich, ob es sich um einen bloßen Verdacht, eine TIA oder einen ausgeprägten Schlaganfall handelt, es sollte stets und ständig so schnell wie möglich Hilfe angefordert werden. Bei kaum einem anderen medizinischen Notfall geht es nämlich so sehr um Minuten oder gar Sekunden, wie bei einem Schlaganfall.

Seien Sie also am besten vorbereitet, indem Sie sich darüber informieren, was in einem solchen Moment zu tun ist. Je besser Sie über die Thematik Bescheid wissen, desto effektiver können Sie handeln und desto klarer können Sie dem Rettungsdienst alle relevanten Details kommunizieren.


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