Hitze im Alter: So schützen Sie sich vor gesundheitlichen Schäden

Hitze kann für ältere Menschen besonders unangenehm und sogar gefährlich werden. Der Körper ist bei hohen Temperaturen herausgefordert und hat oft mit Schwindelgefühlen, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Kreislaufproblemen zu kämpfen. Betroffene sollten deshalb versuchen, ihr Kreislaufsystem so gut es geht zu unterstützen. Wer auf einige Dinge achtet, erträgt die Hitze besser und kann gesundheitliche Schäden vermeiden.

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Mann mit Hut
© Hans/pixabay.com

Dass Hitze im Alter schwerer zu ertragen ist, liegt vor allem daran, dass ältere Menschen weniger Wasser im Organismus haben, dafür aber mehr Fett. Darauf weist Hans Jürgen Heppner von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie im Interview mit stern.de hin. Außerdem sei das Durstgefühl im Alter deutlich geringer. Viele Senioren müssen sich regelrecht zum Trinken zwingen. Prof. Andresen von der Deutschen Herzstiftung betont außerdem, dass wassertreibende Medikamente den Effekt verstärken können und dass Menschen mit Blutdruck- oder Herzproblemen besonders gefährdet seien.

Den Sommer trotz Hitze genießen

Natürlich freuen sich viele Senioren trotzdem auf den Sommer. Denn strahlender Sonnenschein und blühende Gärten heben die Laune bei Jung und Alt. Damit ältere Menschen die Vorzüge des Sommers auch genießen können, sollten sie einige Tipps in ihren Alltag integrieren.

Wichtig: Die folgenden Tipps sollten Sie nur befolgen, wenn Sie sich dabei sicher und wohl fühlen. Halten Sie am besten zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt – vor allem, wenn Sie schon einmal mit Kreislauf-, Blutdruck- oder Herzproblemen zu tun hatten. Erfragen Sie in diesem Zuge auch gleich bei Ihrem Arzt, ob es sich anbietet, Ihre Medikamente in der heißen Sommerzeit anders zu dosieren.

Trinken, trinken, trinken

Auch wenn das Durstgefühl im Alter nachlässt, sollten Senioren bei Hitze in erster Linie daran denken, ausreichend zu trinken. Oft wird das Trinken schlichtweg vergessen. Ein Trinkplan ist deshalb für viele ältere Menschen die beste Lösung, um die ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei Hitze zu gewährleisten. Methoden gibt es viele: Stellen Sie sich Ihre Tagesration schon morgens bereit und leeren Sie sie über den Tag verteilt. Nehmen Sie sich vor, zu jeder Mahlzeit mindestens ein Glas zu trinken. Lassen Sie sich an das Trinken erinnern, indem Sie Ihre Trinkration gut sichtbar in der Wohnung aufstellen. Auch Erinnerungen durch Angehörige oder Merkzettel sind möglich.

In erster Linie sollten Senioren kalorienarme Getränke zu sich nehmen. Wasser und Tee sind ideal. Um für etwas Abwechslung zu sorgen und die Lust am Trinken nicht zu verlieren, können Sie das Wasser auch aufpeppen. Zum Beispiel mit frisch gepresstem Zitronensaft, Brausetabletten, Ingwer oder Minze. Auch Säfte und Saftschorlen sind gut geeignet, allerdings nur in Maßen, weil sie oft viel Zucker enthalten. Außerdem sollten Sie nicht den ganzen Tag lang eisgekühlte Getränke zu sich nehmen. Es darf ruhig auch mal ein warmer Tee oder lauwarmes Wasser sein. Denn der Körper benötigt zusätzliche Energie, um kalte Getränke zu verarbeiten.

Achtung: Besonders bei Herzproblemen sollte man es nicht zu gut mit dem Trinken meinen. Wer zu viel trinkt, kann das Herz belasten. Die allgemein empfohlene Menge liegt bei 1,5 bis 2 Litern am Tag. Dieser Wert muss aber immer individuell abgestimmt sein. Am besten halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Die richtige Ernährung für heiße Tage

Im Alter sollten Sie außerdem darauf achten, sich dem Wetter entsprechend zu ernähren. Fettige und mächtige Speisen sollten vom Speiseplan verschwinden. Sie liegen schwer im Magen und machen dem Körper zusätzliche Arbeit. Das Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung wird dadurch nur noch verstärkt. Besser ist es deshalb, bei Hitze zu leichten Speisen zu greifen. Besonders empfehlenswert sind Gerichte, die schon viel Wasser enthalten. Salate, frisches Gemüse, Obst und Suppen eignen sich für den Sommer ideal. Sie sind außerdem besonders gesund für Senioren, weil im Alter der Bedarf an Kalorien nachlässt, die Menge an benötigten Nährstoffen aber gleich bleibt. Die Ernährung älterer Menschen sollte deshalb nährstoffreich und kalorienarm sein. Weitere Tipps zur Ernährung im Alter finden Sie hier.

Einen Gang runter schalten

Egal ob Gartenarbeit, der Einkauf oder der tägliche Spaziergang: Besonders an heißen Tagen sollten ältere Menschen sich nicht übernehmen. Was normalerweise leicht fällt, kann bei Hitze schnell gefährlich werden. Wer merkt, dass die täglichen Aufgaben jetzt schwerer fallen, sollte um Hilfe bitten. Angehörige, Nachbarn oder Freunde können die körperlich anstrengenden Dinge übernehmen.

Ganz auf Bewegung verzichten sollten Senioren jedoch nicht. Ein bisschen schonende Bewegung kann auch an heißen Tagen guttun. Denn der Körper wird auf Trab gehalten und kann so besser mit der Hitze umgehen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten. Sobald Sie sich unwohl fühlen, sollten Sie einen Gang runter schalten und sich ausruhen.

Auf kühlere Stunden ausweichen

Natürlich möchte sich niemand den ganzen Tag vor dem Sommer verstecken – in der heißen Mittagssonne ist es aber das Beste, was Sie tun können. Nutzen Sie diese Zeit am besten für einen kurzen Mittagsschlaf oder machen Sie es sich im Fernsehsessel bequem. Um trotzdem etwas vom schönen Wetter zu haben, kann es sich lohnen, den Tagesablauf im Sommer zu verändern. Wer morgens früher aufsteht, kann die kühleren Stunden nutzen und aktiv sein. Ab dem Mittag sollte dann Ruhe einkehren und am Abend, wenn die pralle Sonne sich langsam zurückzieht, bleibt noch Zeit für einen schönen Spaziergang oder ein leichtes Abendessen im Garten.

Kopfbedeckung und Sonnenschutz nicht vergessen

Nicht nur in der prallen Mittags- und Nachmittagssonne, sondern auch morgens und abends sollten Sie Hitze und Sonne nicht unterschätzen und für angemessenen Schutz sorgen. Sonnencreme sollte im Sommer Ihr ständiger Begleiter sein. Ebenso wie Kopfbedeckungen und luftige Kleidung.

Für guten Schlaf sorgen

Um gut zu funktionieren, benötigt der Körper ausreichend Schlaf. Im Sommer sorgen jedoch auch die Nächte nicht immer für die gewünschte Abkühlung. Deshalb fällt es schwer, mehrere Stunden durchzuschlafen. Der Schlaf wird bei Hitze oft unterbrochen und ist nicht so tief. Deshalb bietet es sich an, den Schlaf auf die Nacht und den Nachmittag zu verteilen. So können die frühen Morgenstunden sinnvoll genutzt werden und die Erholung kommt trotzdem nicht zu kurz.

Um bei Hitze besser zu schlafen, können Sie außerdem

  • kurze Kleidung tragen
  • vor dem Schlafen nur noch leichte Speisen essen
  • vor dem Schlafen nicht zu viel trinken
  • das Schlafzimmer abdunkeln
  • dünne Laken nutzen
  • Ventilatoren oder Klimageräte nutzen
  • Eine „kalte Wärmflasche“ machen: Mit Wasser befüllen, ein paar Stunden in den Kühlschrank legen und abends mit ins Bett nehmen.

Die Wohnung abkühlen

Um die Wohnung an heißen Sommertagen kühl zu halten, sollten Sie nur zu bestimmten Zeiten lüften. In den frühen Morgenstunden, am späten Abend und in der Nacht bietet sich das Lüften an. Tagsüber sollten die Fenster geschlossen bleiben, damit keine warme Luft eintritt. Außerdem lohnt es sich, die Wohnung abzudunkeln, sodass sie nicht durch die Sonne aufgeheizt wird.

Wem es in der Wohnung trotzdem zu warm ist, sollte über die Anschaffung eines Ventilators oder eines elektrischen Klimageräts nachdenken. Diese gibt es oft schon für wenig Geld und sie können den heißen Sommer deutlich erträglicher machen. Wichtig ist hierbei, dass Sie sich den kalten Luftströmen nicht direkt aussetzen. Ein steifer Nacken oder eine Erkältung können die Folge sein.

Den Körper erfrischen

Kleine Erfrischungen für den Körper tun bei Hitze besonders gut. Am besten verteilen Sie sie über den ganzen Tag. Sie können sich zum Beispiel mehrmals täglich abduschen oder Gesicht, Dekolleté und Arme über dem Waschbecken befeuchten. Auch ein kühles Fußbad kann wohltuend sein. Es ist nicht mit großem Aufwand verbunden und bringt eine angenehme Entlastung bei Hitze.

Wichtig ist hierbei immer, nicht mit eiskaltem Wasser zu beginnen. Fangen Sie mit lauwarmem Wasser an und lassen Sie es nach und nach kühler werden. Ansonsten muten Sie Ihrem Körper einen zu schnellen Temperaturwechsel zu.

Hilfe für Pflegende: So pflegen Sie bei Hitze richtig

Pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte sollten sich mit dem Thema Hitze gut auskennen, um pflegebedürftige Personen vor den gesundheitlichen Risiken schützen zu können. Das Bayerische Gesundheitsministerium hat deshalb das Projekt „KlapP“ (Klimaanpassungsmaßnahmen in der Pflege) ins Leben gerufen. Im Zuge des Projekts werden Onlineschulungen zur Verfügung gestellt, die über die richtige Pflege in Hitzeperioden aufklären.

Schon im Oktober 2019 startete das Projekt „KlapP“. Es soll bis Ende September 2023 laufen und wird vom Bayerischen Gesundheits- und Pflegeministerium mit ca. 360.000 Euro gefördert. „Der Klimawandel und seine Folgen stellen uns vor große Herausforderungen: So treten vermehrt Extremwetter und Hitzeperioden auf“, wird Gesundheitsminister Klaus Holetschek zitiert. Besonders für ältere und pflegebedürftige Menschen sei das eine große Belastung, stark gefährdet seien bettlägerige Menschen oder Demenzkranke.

Hitze in der Pflege: Onlineschulung für Pflegende

In der Schulung werden pflegende Personen darüber informiert, warum das Thema Hitze in der Pflege immer wichtiger wird, welche Risikofaktoren es gibt, welche hitzebedingten Gesundheitsprobleme, Symptome und Erkrankungen auftreten können und mit welchen Maßnahmen sie diesen vorbeugen oder sie behandeln können.

Informationen zur Onlineschulung können Sie hier anfordern: klapp@lgl.bayern.de

Eine kostenlose Broschüre mit wichtigen Infos zum Thema Hitze, Handlungsempfehlungen und einer Checkliste für den Tagesablauf bei Hitzeperioden können Sie hier herunterladen.


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