Umzug mit Pflegegrad: Pflegekasse zahlt Zuschuss

Wer pflegebedürftig ist, hat oft besondere Ansprüche an den Wohnraum. Diese lassen sich nicht immer in den eigenen vier Wänden umsetzen. Manchmal ist ein Umzug die bessere Lösung. Das Problem: Im Alter geht ein Umzug nicht mehr so leicht von der Hand. Außerdem ist er mit Kosten verbunden. Besonders, wenn man auf Hilfe angewiesen ist. Die gute Nachricht: Unter Umständen zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss für den Senioren-Umzug.

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Senioren ziehen um
© LightField Studios/www.shutterstock.com

Vor allem Barrierefreiheit und ausreichend Platz für Hilfsmittel spielen in einer behinderten- oder seniorengerechten Wohnung eine große Rolle. Viele Betroffene können ihren eigenen Wohnraum den neuen Bedürfnissen anpassen. Dazu genügen manchmal einfache Maßnahmen wie ein Treppenlift, ein Badumbau oder das Anbringen von Haltegriffen oder Stützen. Für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss in Höhe von 4.000 Euro. Doch was, wenn solche Maßnahmen nicht möglich sind oder nicht ausreichen?

Ein Umzug kann die Pflege erleichtern

Für viele ist ein Umzug emotional. Besonders im Alter wird er oft als „letzte Lösung“ angesehen. Doch wer schon rechtzeitig über einen Umzug nachdenkt, kann damit die häusliche Pflege deutlich erleichtern. Auch die eigene Lebensqualität kann maßgeblich steigen. Denn viele Probleme lassen sich mit einem Umzug in eine behinderten- oder seniorengerechte Wohnung beheben. Betroffene können bei ganz alltäglichen Dingen profitieren und sich somit im neuen Wohnraum deutlich wohler, sicherer und selbstständiger fühlen.

Zuschuss von der Pflegekasse für den Umzug mit Pflegegrad

Der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in Höhe von maximal 4.000 Euro kann unter bestimmten Umständen auch für den Umzug genutzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass ein Pflegegrad vorliegt und dass der Umzug als wohnumfeldverbessernde Maßnahme notwendig ist, wenn also alle Einzelmaßnahmen am aktuellen Wohnraum nicht zur ausreichenden Barrierefreiheit führen. Die Pflegekasse übernimmt also die Kosten, wenn der Umzug maßgeblich zur Verbesserung der häuslichen Pflege und zur Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person beiträgt.

Wichtig: Sprechen Sie unbedingt mit Ihrer Pflegekasse, bevor Sie den Umzug konkret planen. Klären Sie zunächst Ihren Anspruch auf den Zuschuss und lassen Sie sich das Ganze schriftlich bestätigen.

Übrigens: Für den Umzug mit Pflegegrad ist es ratsam, ein Umzugsunternehmen zu engagieren. Es gibt Unternehmen, die auf Senioren-Umzüge spezialisiert sind. Sie kümmern sich nicht nur um den Abbau, Transport und Aufbau der Einrichtung, sondern sorgen oft auch dafür, dass die Möbel behinderten- oder seniorengerecht gestellt werden, dass Türgriffe, Schränke oder Geräte auf Griffhöhe abgesenkt oder bestimmte Hilfsmittel angebracht werden. Am besten lassen Sie sich zum Vergleich mehrere Angebote machen und sprechen das Ganze mit Ihrer Pflegekasse ab.

Was ist bei der neuen Wohnung wichtig?

Pflegebedürftige, die über einen Umzug nachdenken, sollten dabei vor allem auf folgende Dinge achten:

Eingang / Umfeld

  • Sind die Gehwege breit genug für Gehhilfen oder Rollstuhl?
  • Ist die Straßenbeleuchtung ausreichend?
  • Gibt es Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Friseure, Ärzte usw. in der Nähe?
  • Gibt es Haltestellen für öffentliche Verkehrsmittel in der Nähe?
  • Gibt es ausreichend Sitzbänke auf dem Weg dorthin?
  • Sind die Straßenbelege rutschfest und eben?
  • Ist der Eingang ebenerdig?
  • Gibt es am Eingang Geländer und Haltegriffe?
  • Ist der Eingang ausreichend beleuchtet und mit Bewegungsmeldern ausgestattet?

Allgemeine Wohnräume

  • Ist der Wohnraum ebenerdig?
  • Sind die Türschwellen ebenerdig und ohne Stufen oder Schwellen?
  • Sind die Türen breit genug, sodass Gehhilfen und Rollstuhl hindurch passen?
  • Sind die Bewegungsflächen in allen Räumen groß genug für Gehhilfen und Rollstuhl?
  • Gibt es Haltegriffe in der Wohnung bzw. die Möglichkeit, diese anzubringen?
  • Sind die Bodenbelege rutschfest?
  • Ist der Boden frei von Stolperfallen?
  • Sind die wichtigsten Wege unkompliziert und kurz?
  • Sind die Räume gut einzusehen und ausreichend beleuchtet?
  • Sind Lichtschalter, Steckdosen und Türgriffe leicht zu erreichen und zu bedienen?
  • Sind Lampen ggf. mit Bewegungsmeldern ausgestattet oder gibt es Nachtlichter im Flur?
  • Sind die Wohnräume mit Rauchmeldern ausgestattet?

Küche

  • Sind die Schränke und Küchengeräte richtig platziert und leicht zu erreichen?
  • Sind Schränke und Küchengeräte einfach zu bedienen (z.B. Öffnen ohne Kraftaufwand)?
  • Hat die Küche die richtige Größe (z.B. groß genug für den Rollstuhl / nicht zu groß – kürzere Wege, geringere Sturzgefahr, weniger Putzarbeit)

Badezimmer

  • Gibt es eine ebenerdige Dusche oder eine Wanne mit Tür oder Lift?
  • Gibt es eine erhöhte Toilette oder eine Toilettensitzerhöhung?
  • Gibt es Stützgriffe an der Toilette?
  • Gibt es Haltegriffe an der Dusche oder Wanne?
  • Gibt es Anti-Rutsch-Matten und/oder rutschfeste Fliesen?
  • Ist der Waschtisch ggf. mit dem Rollstuhl unterfahrbar?
  • Ist Platz für einen Waschtisch, vor dem man sitzen kann?
  • Ist genügend Stauraum vorhanden?
  • Ist der Stauraum leicht zu erreichen?

Schlafzimmer

  • Ist im Schlafzimmer ggf. Platz für ein Kranken- oder Pflegebett?
  • Ist das Schlafzimmer nah genug am Badezimmer?
  • Gibt es genügend Steckdosen für elektrische Hilfsmittel?
  • Gibt es einen Telefon- und Fernsehanschluss?
  • Ist der Kleiderschrank einfach geschnitten und leicht zu erreichen?

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