Steuern sparen bei Pflegebedürftigkeit

Entlastungsbetrag, Pflegepauschbetrag, Behindertenpauschbetrag, haushaltsnahe Dienstleistungen und Krankheitskosten - hinter all diesen Begriffen verbergen sich Möglichkeiten, wie Pflegebedürftige bares Geld sparen können. Wer sie kennt und obendrein gewisse Fristen beachtet, kann einiges an Steuern sparen und finanzielle Zuschüsse sichern - und das sogar rückwirkend.

  • Lesezeit ca. 4 Minuten
  • |
  • Lesezeit ca. 4 Minuten
Steuererklärung
© falco/pixabay.com

Wer hohe Ausgaben rund um Gesundheit und Pflege zu verbuchen hat, ist einer großen finanziellen Belastung ausgesetzt. Um wenigstens teilweise einen Ausgleich zu schaffen, können Betroffene gewisse Leistungen und Steuervorteile nutzen.

Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag ist eine Leistung der Pflegekasse, die zur Entlastung von pflegenden Angehörigen oder anderen privaten Pflegepersonen dienen soll. Er beträgt 125 Euro im Monat und kann für verschiedene Dienstleistungen genutzt werden, wie zum Beispiel Tages- oder Nachtpflege, zugelassene Pflegedienste, Kurzzeitpflege oder anerkannte Angebote zur Unterstützung der Selbstständigkeit im Alltag. Anspruch auf den Entlastungsbetrag haben alle Personen, die einem Pflegegrad zugeteilt sind. Um den Entlastungsbetrag zu erhalten, müssen Sie keinen Antrag stellen, sondern einfach die entsprechenden Belege bei der Pflegekasse einreichen. Das Geld, das Sie ausgegeben haben, wird Ihnen dann erstattet. Alternativ können Sie dem Dienstleister (z.B. Pflegedienst) eine Abtretungserklärung ausstellen, sodass dieser direkt mit der Pflegekasse abrechnet.

Sie können den Entlastungsbetrag auch nachträglich beantragen. Haben Sie Ihren Anspruch 2018 nicht genutzt, können Sie den vollen Betrag von 1.500 Euro im Dezember auf einen Schlag aufbrauchen. Es ist sogar möglich, offene Beträge mit ins neue Jahr zu nehmen. Sie müssen dann bis zum 30. Juni 2019 in Anspruch genommen werden.

Achtung: Wer 2015 und 2016 Anspruch auf „niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote“ hatte, sollte unbedingt noch vor Jahresende handeln. Denn für diese Restansprüche gilt ausnahmsweise eine längere Frist. Bis zu 5.000 Euro können Betroffene erhalten, wenn Sie sich noch 2018 um die Nachzahlung kümmern.



Belege sammeln

Es ist ein wichtiger Schritt, der oft vernachlässigt wird. Zum Ende des Jahres sollten Sie unbedingt alle wichtigen Belege zusammensuchen und sortieren. Denn je größer der zeitliche Abstand ist, desto schwerer fällt es, einen Überblick zu behalten. Belege und Rechnungen sind nicht nur für den Entlastungsbetrag relevant, sondern auch für die Steuererklärung. Wer verpflichtet ist, sie abzugeben, hat dafür bis zum 31. Juli des Folgejahres Zeit. Wenn Sie die Steuererklärung freiwillig einreichen, können Sie sich sogar vier Jahre Zeit lassen. Das bedeutet, dass Sie bis Ende 2018 noch Steuern aus 2014 zurückbekommen können. Das lohnt sich besonders, wenn Sie hohe Ausgaben im Bereich der sogenannten außergewöhnlichen Belastungen haben.

Lesen Sie auch: Elster: Steuererklärung online abgeben

Pflegepauschbetrag

Den Pflegepauschbetrag können Privatpersonen einsetzen, die einen ständig hilflosen Menschen pflegen. Er beträgt aktuell 924 Euro im Jahr und kann bei der Steuererklärung beansprucht werden. Dadurch verringert sich die Steuerlast. Voraussetzung ist, dass die Pflege in häuslichem Umfeld durch eine private Pflegeperson erfolgt (z.B. Angehörige oder Nachbarn). Außerdem muss ein gewisser Grad der Pflegebedürftigkeit vorherrschen. Der Betroffene muss entweder über einen Schwerbehindertenausweis mit den Einträgen H (hilflos) oder Bl (blind) verfügen oder dem Pflegegrad 4 oder 5 zugeteilt sein.

Übrigens: Wer zwei Menschen gleichzeitig pflegt, erhält den doppelten Betrag. Wenn sich hingegen zwei Personen um einen Pflegebedürftigen kümmern, muss der Pflegepauschbetrag aufgeteilt werden.

Behindertenpauschbetrag

Für Kosten, die wegen einer Behinderung regelmäßig anfallen, gilt der sogenannte Behindertenpauschbetrag. Dazu gehören zum Beispiel Kosten für Medikamente, erhöhten Wäschebedarf oder Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen. Vom Behindertenpauschbetrag können Menschen profitieren, deren Grad der Behinderung (GdB) mindestens bei 50 liegt. Liegt der GdB darunter (aber mindestens bei 25 Prozent), steht der Pauschbetrag Menschen zu, die aufgrund der Behinderung auch Anspruch auf Renten oder andere Bezüge haben. Das gilt ebenfalls, wenn die Behinderung zu einer dauerhaften Einschränkung der Beweglichkeit geführt hat oder auf einer typischen Berufskrankheit basiert. Je nach GdB variiert die Höhe des Behindertenpauschbetrags. Er beträgt maximal 1.420 Euro im Jahr.



Haushalts- und Krankheitskosten

Sind Ihre Ausgaben höher als die oben genannten Pauschbeträge, können Sie sie einzeln als außergewöhnliche Belastungen bei der Steuererklärung angeben. Zu Haushaltskosten gehören Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen. Kosten, die durch Renovierungs- oder Reparaturarbeiten im Haushalt entstehen, können mit bis zu 6.000 Euro angegeben werden. 20 Prozent davon muss das Finanzamt anerkennen, also maximal 1.200 €. Bei den haushaltsnahen Dienstleistungen können sogar bis zu 20.000 Euro in der Steuererklärung angegeben werden, wovon das Finanzamt ein Fünftel, also maximal 4.000 Euro, anerkennt. Zu haushaltsnahen Dienstleistungen gehören zum Beispiel ambulante Pflegedienste oder Haushaltshilfen.

Treppenlift: Für mehr Bewegungsfreiheit in den eigenen vier Wänden

Übrigens: Eine Haushaltshilfe, die sich auch um eine pflegebedürftige Person kümmert, kann bei der Minijobzentrale angemeldet werden. Sie erhält dann einen Lohn von 450 Euro im Monat und Sie können Lohnkosten bis 2.550 Euro bei der Steuererklärung geltend machen. 20 Prozent davon werden anerkannt, also maximal 510 Euro. Bei der Haushaltshilfe kann es sich auch um einen Verwandten handeln, der nicht im gleichen Haushalt lebt.

Auch Krankheitskosten, über die wir in unserem letzten Newsletter ausführlich berichtet haben, können von der Steuer abgesetzt werden. Das gilt für alle Ausgaben, die über die zumutbare Belastungsgrenze hinaus gehen. Diese fällt je nach Einkommen und familiärer Situation unterschiedlich hoch aus.

Wanne raus, Dusche rein: So schnell wird Ihr Bad barrierefrei

Unser Tipp: Planen Sie Ihre Ausgaben in diesen Bereichen so, dass Sie die Maximalbeträge ideal ausnutzen. Wer zum Beispiel Handwerkerleistungen (max. 4.000 €), haushaltsnahe Dienstleistungen (max. 1.200 €) und die Haushaltshilfe auf Minijob-Basis (max. 510 €) voll ausschöpft, kann insgesamt 5.710 Euro Steuern sparen. Wenn hohe Kosten anfallen und die Beträge noch nicht erreicht sind, kann es sich lohnen, die Ausgaben vorzuziehen. Dann wurde die maximale Steuerersparnis in diesem Jahr erreicht und im neuen Jahr stehen wieder die vollen Beträge zur Verfügung. Achten Sie bei Krankheitskosten darauf, dass Sie nicht einen Teil im Dezember und den anderen Teil im Januar begleichen. Damit verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die zumutbare Belastungsgrenze erreichen und von zusätzlichen Ersparnissen profitieren können.


War dieser Ratgeber hilfreich?
Ø 5 / 5 Sternen aus 8 Meinungen
Ratgeber teilen


Mehr zum Thema Finanzen:

Alles zum Thema Finanzen PP Zur Startseite


nach oben