Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Den Begriff Grundsicherung haben die meisten Menschen schon einmal gehört. Die staatliche Leistung soll Senioren und Erwerbsgeminderten dabei helfen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch viele der Berechtigten nutzen ihren Anspruch nicht. Unter anderem auch, weil sie nichts davon wissen.

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Seniorin zählt Kleingeld
© Matej Kastelic/www.shutterstock.com

Mehr als die Hälfte aller Privathaushalte, die Grundsicherung erhalten könnten, nutzen diese nicht. Und das, obwohl das Einkommen der betroffenen Haushalte im Schnitt um 30 Prozent steigen würde, wenn sie ihren Anspruch auf Grundsicherung wahrnehmen würden. Besonders diejenigen, deren Einkommen zu den untersten zehn Prozent gehört, könnten profitieren: Ihr monatliches Einkommen würde sich mit der Grundsicherung ungefähr um 220 Euro erhöhen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die von der Deutschen Rentenversicherung gefördert wurde.

Dass ganze 625.000 Haushalte (62 Prozent der Berechtigten) auf ihren Anspruch auf Grundsicherung verzichten, erklärt sich Studienautor Hermann Buslei wie folgt: „Vielen ist das Verfahren vermutlich zu aufwendig – gerade bei kleinen Beträgen – oder sie wissen gar nicht, dass sie den Rechtsanspruch haben.“ Ein weiterer Grund könne die Angst sein, als „Almosenempfänger“ dazustehen.

Wer hat Anspruch auf Grundsicherung?

Grundsicherung können Personen erhalten, die

  • die Regelaltersgrenze überschritten haben oder mindestens 18 Jahre alt und dauerhaft voll erwerbsgemindert sind,
  • gewisse Einkommens- und Vermögensgrenzen nicht überschreiten und
  • ihren Wohnort bzw. gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland haben

Wichtig: Wer mehr als vier Wochen am Stück im Ausland verbringt, hat keinen Anspruch mehr auf Grundsicherung.

Wie hoch ist die Grundsicherung?

Die Grundsicherung soll den notwendigen Lebensunterhalt (Regelbedarf), angemessene Aufwendungen für Unterkunft und Heizung, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, Vorsorgebeiträge sowie ggf. Mehrbedarfe für bestimmte Personengruppen (z.B. Menschen mit Behinderung) abdecken. Wie hoch die Sozialleistung ausfällt, hängt einerseits vom Bedarf und andererseits vom Einkommen und Vermögen des Beziehers ab. Reichen die eigenen finanziellen Mittel nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, wird das Einkommen mit der Grundsicherung aufgestockt, sodass der errechnete Bedarf einer Person abgedeckt werden kann. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt folgende Faustregel: „Wenn Ihr gesamtes Einkommen unter 865 Euro liegt, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie Anspruch auf Grundsicherung haben."



Wie wird die Grundsicherung berechnet?

Zur Berechnung der Grundsicherung gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales folgendes Beispiel:

Eine verwitwete, 68 Jahre alte Frau fällt unter die Regelbedarfsgruppe 1. Ihr Regelbedarf liegt damit bei 416 Euro im Monat. Aufgrund ihrer Gehbehinderung hat sie einen Mehrbedarf von 70,72 Euro im Monat. Hinzugerechnet werden Kosten für Unterkunft in Höhe von 300 Euro und Heizkosten in Höhe von 70 Euro pro Monat. Ihr gesamter Bedarf liegt also bei 856,72 Euro.

Diesem Bedarf werden ihre Einkünfte entgegengesetzt. Sie erhält nur eine kleine gesetzliche Rente in Höhe von 96 Euro. Hinzu kommt eine Witwenrente von 310 Euro im Monat. Insgesamt verfügt die Rentnerin also über ein Einkommen von 406 Euro im Monat.

Um den Bedarf zu decken, wird ihr Einkommen durch die Grundsicherung aufgestockt:

  • Bedarf an Grundsicherung: 856,72 Euro
  • Einzusetzendes Einkommen: 406 Euro
  • Monatliche Sozialleistung (Grundsicherung): 450,72 Euro

Achtung: Hierbei handelt es sich lediglich um eine Beispielrechnung. Wer wissen möchte, ob und wie viel Grundsicherung ihm im Alter oder bei Erwerbsminderung zusteht, sollte sich individuell beim Sozialamt oder der Rentenversicherung beraten lassen.



Was zählt zum Einkommen?

Zum Einkommen, das bei der Berechnung für die Grundsicherung berücksichtigt wird, zählen

  • Einkommen aus Erwerbstätigkeit
  • Renten und Pensionen
  • Unterhaltszahlungen von Eltern und Kindern
  • Elterngeld über 300 Euro
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Kindergeld
  • Krankengeld
  • Kapitalerträge / Zinseinnahmen

Folgende Einkünfte werden bei der Berechnung nicht berücksichtigt:

  • 30 Prozent des Einkommens aus selbstständiger/nichtselbstständiger Tätigkeit, höchstens 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1
  • Grundrente nach dem Bundesversorgungsgesetz
  • Unterhaltsansprüche gegenüber Eltern und Kindern, wenn deren Jahreseinkommen unter 100.000 Euro liegt
  • Elterngeld bis 300 Euro
  • Bus zu 200 Euro aus bestimmten steuerfreien Tätigkeiten (z.B. Ehrenamt)
  • Pflegegeld
  • Leistungen aus zusätzlicher freiwilliger Altersvorsorge (bis zu einem Höchstbetrag)

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Was zählt zum Vermögen?

Zum Vermögen, das bei der Berechnung für die Grundsicherung berücksichtigt wird, zählen

  • Bargeld
  • Wertpapiere
  • Sparguthaben
  • Haus- und Grundvermögen
  • Pkw

Folgendes Vermögen wird bei der Berechnung nicht berücksichtigt:

  • Bargeld: Schonvermögen von 5.000 Euro (bzw. 10.000 Euro bei Partnern)
  • Angemessenes selbst genutztes Hausgrundstück bzw. Wohnung
  • Angemessener Hausrat
  • Familien- und Erbstücke, deren ideeller Wert den Verkaufspreis weit übersteigt
  • Gefördertes Altersvorsorgevermögen einer Riesterrente (angesparte Riesterrente muss also nicht aufgelöst werden. Bei Auszahlung der Rente wird sie teilweise zum Einkommen gezählt.)

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Wo stellt man den Antrag auf Grundsicherung?

Grundsicherung ist eine Sozialleistung, die beantragt werden muss. Einen Antrag stellt man beim Sozialamt. Es ist auch möglich, den Antrag auf Grundsicherung bei der Deutschen Rentenversicherung abzugeben. Er wird dann ans Sozialamt weitergeleitet.

Ein Antragsformular gibt es als Download bei der Deutschen Rentenversicherung: S2410 - Antrag auf Grundsicherungsleistungen. Ebenso wie S2412 - Hinweise zum Antrag auf Grundsicherungsleistungen.

Wer sich vor dem Antrag auf Grundsicherung zunächst allgemein informieren möchte, kann sich ebenfalls beim zuständigen Sozialamt oder bei der Deutschen Rentenversicherung erkundigen.

Wichtig: Wenn der Antrag bewilligt wurde, wird die Grundsicherung für zwölf Monate gezahlt. Danach müssen Betroffene wieder einen neuen Antrag stellen. Eine Rückwirkende Zahlung ist nicht möglich.


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