Diese Corona-Sonderregelungen gelten in der Pflege

Um ältere und kranke Menschen vor dem Coronavirus zu schützen und die Ausnahmesituation für Pflegebedürftige und Angehörige zu erleichtern, wurden bereits im vergangenen Jahr Sonderregelungen in der Pflege eingeführt. Die zeitlich begrenzten Regeln wurden nun erneut verlängert.

31.08.2020 07.07.2021
  • Lesezeit ca. 3:30 Minuten
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  • 31.08.2020
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Liebevolle Pflege einer Seniorin
© Halfpoint/www.shutterstock.com

Über viele neue Regeln in der Pflege haben wir während der Coronakrise schon berichtet. Ziel ist es vor allem, die Versorgung in der häuslichen Pflege sicherzustellen und die neuen Probleme für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zumindest teilweise aufzufangen. Ursprünglich sollten die neuen Regeln bis September 2020 gelten. Eine erste Verlängerung fand bis Ende März 2021 statt. Da die Lage nach wie vor angespannt ist, können viele Sonderregelungen jetzt noch bis zum 30. September oder 31. Dezember 2021 genutzt werden.

Welche Sonderregelungen gibt es aktuell?

Die wichtigsten Änderungen in der Pflege:

  • Längerer Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld
  • Vereinfachter Zugang zur Familienpflegezeit
  • Mehr Geld für Pflegehilfsmittel
  • Pflegegrad-Gutachten ohne Hausbesuch
  • Pflegegeld auch ohne Beratungsbesuche
  • Lockerungen beim Entlastungsbetrag

Längerer Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld

Das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld wird gezahlt, wenn berufstätige Angehörige sich plötzlich um einen Pflegefall in der Familie kümmern müssen und nicht zur Arbeit kommen können. Man spricht auch von der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung. Seit der Coronakrise besteht ein Anspruch auf 20 Tage. Vorher wurde das Pflegeunterstützungsgeld nur für 10 Tage ausgezahlt. Außerdem können es auch Angehörige nutzen, bei denen sich die bestehende Pflegesituation plötzlich geändert hat. Wer also die Pflege neu organisieren muss, hat ebenfalls Anspruch.

Die Änderungen beim Pflegeunterstützungsgeld sollten ursprünglich bis Ende September 2020 gelten. Die Regierung hat aber eine Verlängerung beschlossen. Angehörige können den Lohnersatz vorläufig noch bis zum 31. Dezember 2021 nutzen.

Weitere Informationen zum Pflegeunterstützungsgeld finden Sie in unserem Beitrag Pflegeunterstützungsgeld für Angehörige soll erweitert werden

Vereinfachter Zugang zur Familienpflegezeit

Wer sich länger um einen Angehörigen kümmern möchte und dazu beruflich kürzertreten muss, kann die Familienpflegezeit nutzen. Unter bestimmten Voraussetzungen können Beschäftigte vorübergehend in Teilzeit arbeiten, um mehr Zeit für die Pflege zu haben. Lohneinbußen können mit einem zinslosen Darlehen vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ausgeglichen werden. Um den Zugang zur Familienpflegezeit zu erleichtern, wurden während der Coronakrise zwei Voraussetzungen angepasst:

  • Die Ankündigungsfrist betrug vor der Coronakrise 8 bis 12 Wochen. Aktuell reicht es, wenn Beschäftigte die Familienpflegezeit 10 Tage vorher bei ihrem Arbeitgeber ankündigen.
  • Die Mindestarbeitszeit betrug vor der Coronakrise 15 Stunden pro Woche. Aktuell können Beschäftigte für bis zu einen Monat auch weniger Arbeiten, ohne den Anspruch auf Familienpflegezeit zu verlieren.

Die Sonderregelungen gelten bis zum 31. Dezember 2021. Weitere Informationen rund um Voraussetzungen, Antrag, Finanzierung und Dauer der Familienpflegezeit finden Sie in unseren Beitrag Familienpflegezeit: Verkürzte Antragsfristen in Coronakrise

Mehr Geld für Pflegehilfsmittel

Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1 haben Anspruch auf sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Diese können sie sich monatlich im Wert von 40 Euro liefern lassen oder selbst besorgen und sich die Kosten erstatten lassen. Bei den Pflegehilfsmitteln handelt es sich zum Beispiel um Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen oder Mundschutz. Da die Kosten für diese Hilfsmittel während der Coronakrise deutlich gestiegen sind, wurde die Pauschale von 40 Euro auf 60 Euro erhöht. Aber Achtung: Die erhöhte Pauschale führt nicht dazu, dass Betroffene nun mehr Hilfsmittel erhalten. Die Menge an Hilfsmitteln bleibt gleich. Der Zuschuss musste jedoch erhöht werden, um bei den steigenden Preisen für Desinfektionsmittel und Co. die gewohnte Versorgung sicherstellen zu können. Die erhöhte Pauschale bleibt vorläufig bis zum 31. Dezember 2021 gültig.

Mehr Informationen zu den Pflegehilfsmitteln finden Sie in unseren Beitrag Eine Sorge weniger: Kostenlose Pflegehilfsmittel liefern lassen

Pflegegeld auch ohne Beratungsbesuche

Wer zu Hause von Angehörigen gepflegt wird und mindestens Pflegegrad 2 hat, bekommt nicht die oben genannten Pflegesachleistungen für den Pflegedienst, sondern das Pflegegeld.

Lesen Sie auch: Pflegegeld und Pflegesachleistungen: Was ist der Unterschied?

Empfänger vom Pflegegeld sind gesetzlich dazu verpflichtet, regelmäßige Beratungsgespräche in Anspruch zu nehmen. Normalerweise wird das Pflegegeld gekürzt oder gestrichen, wenn keine Nachweise über eine Beratung bei der Pflegekasse eingehen. Das ist aktuell nicht der Fall. Die Beratungsgespräche können telefonisch oder per Videoanruf durchgeführt werden, müssen es aber nicht. Die Beratung findet auf diese Weise nur statt, wenn der oder die Pflegebedürftige und die Angehörigen es ausdrücklich wünschen. Diese Regelung gilt bis zum 30. September 2021.

Pflegegrad-Gutachten ohne Hausbesuch

Wer einen Pflegegrad beantragt, muss normalerweise ein persönliches Gutachten vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) vornehmen lassen. Im Gutachten wird bewertet, wie selbstständig eine Person noch ist und wie viel Hilfe sie im Alltag benötigt. Es entscheidet darüber, ob ein Pflegegrad gewährt wird und wenn ja, wie hoch dieser ist.

Um den persönlichen Kontakt so weit wie möglich einzuschränken, fanden lange keine Gutachten vor Ort statt. Stattdessen greifen die Medizinischen Dienste auf Informationen zu, die ihnen bereits vorliegen. Auch Telefoninterviews mit Pflegebedürftigen und Angehörigen helfen bei der Entscheidung. Noch bis zum 30. September 2021 kann das Gutachten ohne persönlichen Besuch erfolgen, wenn der MDK dies für notwendig hält, um eine Ansteckung von Versichertem und Gutachter zu verhindern.

Welche Nachteile das Gutachten ohne Hausbesuch haben kann und wie Sie sich vorbereiten, erfahren Sie in unserem Beitrag Pflegegutachten des MDK: Wie funktioniert die Einstufung ohne Hausbesuch?

Lockerungen beim Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro im Monat steht allen Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1 zu. Er kann zum Beispiel für zugelassene Pflegedienste genutzt werden, aber auch für die Tages- oder Nachtpflege, die Kurzzeitpflege oder anerkannte Angebote zur Unterstützung der Selbstständigkeit im Alltag. Noch bis zum 30. September 2021 ist der Entlastungsbetrag auch flexibler einsetzbar. So können Pflegebedürftige ihn aktuell zum Beispiel auch für nicht anerkannte Hilfsangebote nutzen, zum Beispiel für die Nachbarschaftshilfe.


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