Entlastungsbetrag: Pflegebedürftige verschenken Milliarden

Haben Sie gewusst, dass pflegebedürftigen Menschen ein Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat zusteht? Und dass 70 Prozent aller Berechtigten ihn einfach verfallen lässt? Unter Umständen stehen Ihnen Nachzahlungen von bis zu 5.000 Euro zu.

26.09.2018
  • Lesezeit ca. 2:30 Minuten
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    26.09.2018
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Bargeld
© Capri23auto/pixabay.com

Ob beim Einkauf, im Haushalt, bei Arztbesuchen oder der Freizeitgestaltung – viele ältere Menschen brauchen Unterstützung im Alltag. Und es gibt eine Menge Angebote, die auf die verschiedensten Bedürfnisse zugeschnitten sind. Solche Dienstleistungen sind allerdings nicht umsonst. Was nur wenige Betroffene wissen: Unter Umständen haben sie Anspruch auf einen Entlastungsbetrag von der Pflegekasse. 125 Euro stehen ihnen im Monat zur Verfügung.

Entlastungsbetrag: Kurz erklärt

Der Entlastungsbetrag ist eine Leistung der Pflegeversicherung. Er muss genutzt werden, um pflegende Angehörige oder vergleichbare pflegende Personen zu entlasten oder um die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person zu fördern. Der Entlastungsbetrag kann in Kombination mit folgenden Dienstleistungen genutzt werden:

  • Tages- oder Nachtpflege
  • Zugelassene Pflegedienste
  • Kurzzeitpflege
  • Anerkannte Angebote zur Unterstützung der Selbstständigkeit im Alltag

Beim letzten Punkt kann es sich um verschiedene Angebote handeln. Manche Menschen benötigen Hilfe beim Einkaufen oder Putzen, andere möchten zu Behördengängen, Arzt- oder Friseurbesuchen begleitet werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass Pflegebedürftige bei der Freizeitgestaltung unterstützt werden. Vorlesen, Spiele, Begleitung bei Spaziergängen oder zu Veranstaltungen können ebenfalls mit dem Entlastungsbetrag finanziert werden.

Wer hat Anspruch auf den Entlastungsbetrag?

Anspruch hat jeder, der einem Pflegegrad zugeteilt ist. Das gilt auch für Personen mit Pflegegrad 1. Für sie ist der Entlastungsbetrag besonders wichtig, denn sie erhalten von der Pflegeversicherung weder Pflegegeld noch Leistungen für ambulante oder teilstationäre Pflege. Mit dem Entlastungsbetrag können sie aber Leistungen der Pflegeversicherung (auch zur Grundpflege) „kaufen“. Wer nur Pflegegrad 1 zugeteilt ist, sich aber beim Waschen unsicher fühlt, kann sich dabei z.B. zwei Mal pro Woche von einem Pflegedienst helfen lassen und dazu den Entlastungsbetrag einsetzen.

Achtung: Personen mit Pflegegrad 2 bis 5 erhalten durch den Entlastungsbetrag keine zusätzlichen Leistungen zur Grundpflege. Den monatlichen Betrag können sie für Betreuung, hauswirtschaftliche Versorgung und niedrigschwellige Unterstützung im Alltag nutzen.

Wichtig: Belege einreichen

Der Entlastungsbetrag wird nicht automatisch ausgezahlt. Um ihn zu erhalten, müssen Betroffene keinen Antrag stellen, sondern Belege bei der Pflegekasse einreichen. So können sie sich das Geld, das sie ausgegeben haben, erstatten lassen. Wer möchte, dass der Dienstleister direkt mit der Pflegekasse abrechnet, muss eine Abtretungserklärung ausstellen. Fragen Sie dazu einfach beim jeweiligen Dienstleister nach.

Bis zu 5.000 Euro nachträglich beantragen

Rund zwei Millionen Pflegebedürftige haben Anspruch auf den Entlastungsbetrag. 70 Prozent nutzen ihn jedoch nicht. Wer vorher nichts von seinem Anspruch gewusst hat, muss sich nicht ärgern. Denn die nicht genutzten Leistungen können auch noch nachträglich ausgezahlt werden.

Für Restansprüche aus den Jahren 2015 und 2016 läuft die Frist (ausnahmsweise) noch bis Ende des Jahres 2018. Das ist relevant für alle, die damals einen Anspruch auf sogenannte „niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote“ hatten. Früher wurde zwischen dem Grundbetrag von 104 Euro und einem erhöhten Betrag von 208 Euro unterschieden. Wer 2015 und 2016 Anspruch auf den erhöhten Betrag hatte, diesen aber nicht genutzt hat, hat fast 5.000 Euro verschenkt und sollte sich bis Ende des Jahres unbedingt um die Nachzahlung kümmern.

Eine andere Regelung gilt seit 2017. Hier wurde der einheitliche Entlastungsbetrag eingeführt. Wenn die 125 Euro im Monat nicht ausgeschöpft wurden, werden die offenen Leistungen auf die folgenden Kalendermonate angerechnet. Das bedeutet, dass alle Ansprüche bis zum Ende eines Jahres angespart und auch in das kommende Jahr mitgenommen werden können. Hat eine berechtigte Person den Entlastungsbetrag 2018 nicht genutzt, kann sie den vollen Betrag von 1.500 Euro im Dezember auf einen Schlag aufbrauchen. Oder sie nimmt die Leistungen mit ins nächste Jahr. Bis Mitte 2019 müssen sie dann in Anspruch genommen werden.

Achtung: Nicht genutzte Leistungen aus 2017 sind zum 30. Juni 2018 bereits verfallen.


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